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Strategie, Budget und die Frage, was wirklich zählt

  • Autorenbild: OKR Institut
    OKR Institut
  • 20. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Mann an Schreibtisch rechnet mit einem Taschenrechner und vergleicht Zahlen

In vielen Unternehmen gehören Budgetkürzungen derzeit zum Führungsalltag. Projekte werden überprüft, Maßnahmen gestrichen, Ausgaben reduziert. Auf den ersten Blick wirkt das wie strategische Steuerung, schließlich wird ja ausgewählt und priorisiert.


Im Alltag zeigt sich jedoch häufig etwas anderes: Es wird zwar reduziert, aber nur selten danach, welchen Beitrag ein Thema tatsächlich zur strategischen Ausrichtung leistet.


Denn in vielen Unternehmen wird bei Kürzungen nicht zuerst darüber gesprochen, welchen strategischen Beitrag ein Thema leistet, sondern darüber, wo Einschnitte am wenigsten Reibung erzeugen. Das zeigt sich meist sehr konkret:


  • Man kürzt das Sichtbare (Budgetposten, externe Kosten, Projekte) und meidet das Schwierige (Stopps, eingefahrene Abläufe, Verantwortlichkeiten). 

  • Man stoppt das Neue (Pilot, Experiment, frische Initiative) und lässt das Alte weiterlaufen, weil es "eh schon da ist".

  • Man verschiebt das Unangenehme (klare Stopps, harte Prioritäten, offene Konflikte) und arbeitet lieber weiter an oder mit dem, was keine unmittelbaren Reaktionen auslöst.


Am Ende entsteht oft ein fatales Muster: Man schwächt das Wirksame (strategische Hebel), während strategisch Nebensächliches weiterlaufen darf, weil es weniger Diskussionen auslöst. Genau dieses Muster zeigt sich auch dort, wo Unternehmen zu spät oder gar nicht aufhören, obwohl klar ist, dass nicht alles gleichzeitig möglich ist.



Der entscheidende Unterschied

Strategisch gut aufgestellte Organisationen entscheiden aber nicht entlang der geringsten Reibung, sondern entlang des Beitrags zur strategischen Richtung. Das bedeutet, auch Bestehendes infrage zu stellen – selbst dann, wenn es gut verankert ist und bislang kaum Widerstand ausgelöst hat.


Dafür braucht es jedoch eine andere Art der Entscheidungsvorbereitung:

Nicht die Frage, was sich kürzen lässt, steht dann im Vordergrund, sondern was trotz knapper Mittel bewusst geschützt werden soll. Erst aus dieser Klarheit heraus wird Reduktion zu einem strategischen Instrument und nicht nur zu einer reinen Reaktion auf Druck.



Vom Maßstab zu Entscheidung

In Budgetphasen werden Entscheidungen immer gut begründet: mit Zahlen, mit Auslastung, mit Effizienzargumenten oder mit Risiken. Was dabei oft fehlt, ist eine einfache, aber zentrale Klärung des Zusammenhangs zur strategischen Richtung.


Ein praxisnaher Abgleich setzt aber genau dort an. Gehen Sie Ihre zentralen Budgetentscheidungen durch und prüfen Sie bei jeder einzelnen:


  • Welches strategische Ziel wird durch diese Entscheidung konkret unterstützt?

  • Was würde sich an unserer strategischen Ausrichtung ändern, wenn wir diese Entscheidung nicht treffen würden?


Bleiben diese Fragen unbeantwortet oder vage, wurde meist nicht strategisch entschieden, sondern nur operativ reagiert.


Und exakt hier beginnt die eigentliche Führungsaufgabe. Nicht darin, Entscheidungen nachträglich zu erklären, sondern darin, sie konsequent an der strategischen Richtung auszurichten und diese Ausrichtung auch dann aufrechtzuerhalten, wenn sie unbequem wird.



Impulsfragen zum Weiterdenken

  • Wenn wir in sechs Monaten zurückblicken: Woran würden wir erkennen, dass unsere Kürzungen strategisch sinnvoll waren?

  • Welche Entscheidung würden wir heute nicht mehr treffen, wenn wir sie erneut und ohne Druck fällen müssten?

  • Wo haben wir Entscheidungen getroffen, die nicht wirklich überzeugt haben, aber von allen akzeptiert wurden?



Fazit

Budgetphasen sind kein glorreicher Strategiemoment, sondern immer ein Stresstest. Sie zeigen nicht, was eine Organisation will, sondern wie gut sie sich steuern kann, wenn nicht mehr alles gleichzeitig möglich ist.


Aber Strategie bewährt sich genau dort – oder sie bleibt eben folgenlos.

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