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Der Kalender lügt nicht

  • 16. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Öffnen Sie einmal Ihren Kalender der letzten drei Wochen.

Nicht den Strategieplan. Nicht das OKR-Tool. Nicht die Präsentation aus dem letzten Workshop. Nur den Kalender.

Dann stellen Sie eine einfache Frage: Welche Themen, die für die Zukunft Ihres Unternehmens entscheidend sind, hatten dort wirklich Platz?




Der Blick in den Kalender ist oft unangenehm, weil er weniger über Absichten erzählt als über tatsächliche Prioritäten. Denn im Kalender steht selten das, was ein Unternehmen wichtig findet. Im Kalender steht, was tatsächlich Vorrang bekommen hat: Dort stehen Kundentermine, interne Abstimmungen, operative Klärungen, Jour fixes, Statusmeetings, Eskalationen, Personalthemen, Budgetfragen und Projektupdates. Keine Frage, all das ist notwendig, und ohne diese Arbeit funktioniert kein Unternehmen.


Aber genau dort beginnt auch das Problem: Das Tagesgeschäft steht im Kalender. Die Zukunft steht nur auf einer Liste. Sie wird nicht aktiv gestrichen, aber verschoben. Sie wird nicht abgelehnt, aber vertagt. Und irgendwann sind wieder drei Wochen vergangen.


Was im Kalender steht, bekommt Raum

In kleinen Unternehmen zeigt sich dieses Muster besonders unmittelbar. Wachstum, Struktur, Verantwortlichkeiten, Digitalisierung oder neue Geschäftsfelder sind längst als wichtige Zukunftsthemen erkannt. Trotzdem kommen sie immer wieder zu kurz, weil eine Kundensituation drängt, eine Mitarbeiterfrage gelöst werden muss oder eine operative Baustelle Aufmerksamkeit verlangt. Am Ende war die Woche voll. Der Kalender war voll. Der Kopf war voll. Es wurde viel und hart gearbeitet. Aber bei den Themen, die das Unternehmen wirklich weiterbringen würden, ist zu wenig Bewegung entstanden.


In größeren Unternehmen gibt es dasselbe Muster, nur anders verpackt: Dort stehen Zukunftsthemen in Strategiedokumenten, Roadmaps, OKRs, Transformationsprogrammen oder Vorstandsunterlagen. Trotzdem ist damit noch nicht sichergestellt, dass sie im Arbeitsalltag tatsächlich wirksam werden. Auch große Organisationen haben Kalender und diese erzählen oft eine andere Geschichte, nämlich eine über Abstimmungsschleifen, Gremien, Reportingtermine, Bereichslogiken und parallelen Initiativen. 


Kurzum: Ein Thema ist nicht deshalb priorisiert, weil es in einer Strategie steht. Es ist priorisiert, wenn Führung regelmäßig darüber entscheidet. Es ist priorisiert, wenn Fortschritt sichtbar gemacht wird. Und es ist priorisiert, wenn es auch dann weitergeführt wird, wenn der Alltag wieder laut wird.


Warum 90 Tage mehr bringen als ein weiterer Plan

Genau hier liegt eine der größten Schwächen vieler falsch aufgesetzter Strategie- oder OKR-Prozesse. Sie erzeugen zwar Klarheit auf der Ebene der Formulierung, aber nicht automatisch Klarheit im Arbeitsrhythmus. Deshalb ist die entscheidende Frage nicht, ob ein Unternehmen Ziele hat. Die entscheidende Frage lautet, ob diese Ziele im Führungsalltag einen Platz bekommen.


Ein einfacher 90-Tage-Blick kann hier sehr hilfreich sein. Neunzig Tage sind lang genug, um bei einem wichtigen Thema sichtbaren Fortschritt zu erzielen, und kurz genug, um Aufmerksamkeit, Verbindlichkeit und Lernfähigkeit zu erhalten.


In diesem Zeitraum löst ein Unternehmen nicht jedes strategische Problem, aber es kann klären, was jetzt Vorrang hat, welche nächsten Schritte wirklich zählen und was verhindert, dass ein wichtiges Thema wieder nur gut gemeint bleibt.


Dabei geht es nicht darum, den Kalender noch voller zu machen. Die meisten Unternehmen haben bereits zu viele Termine. Es geht darum, bewusst zu entscheiden, welche wenigen Zukunftsthemen regelmäßig Raum bekommen müssen, damit sie nicht immer wieder vom Alltag überholt werden.


Vielleicht ist deshalb der ehrlichste Strategiecheck für die kommenden Wochen ein Blick in Ihren Kalender:

  • Welche Themen sind für Ihre Zukunft entscheidend, kommen dort aber kaum oder gar nicht vor?

  • Welche strategischen Vorhaben besprechen Sie nur dann, wenn bereits Druck entstanden ist?

  • Und welches Thema müsste in den nächsten 90 Tagen regelmäßig geschützte Aufmerksamkeit bekommen, damit daraus nicht nur Absicht, sondern sichtbarer Fortschritt wird?


Vielleicht reicht für den Anfang schon dieser eine Blick: nicht auf das, was alles geplant ist, sondern auf das, was tatsächlich Platz bekommt. Denn genau dort beginnt die eigentliche strategische Arbeit.

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